Welcher Transformationstyp sind Sie? – Laut einer aktuellen Studie nutzen die meisten großen Unternehmen IT noch nicht effizient
Wer hohe Etats und eine große IT-Abteilung hat ist auch erfolgreich im Web, mit Social Media, Mobile etc., möchte man meinen. Tatsächlich scheinen die umsatzstarken, weltweit agierenden Unternehmen noch ziemliche Probleme damit zu haben, neue Technologien zu ihrem Vorteil einzusetzen. Das belegt die gemeinsame Studie von Capgemini Consulting und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) „Digital Transformation: A Roadmap for Billion-Dollar Organizations“, deren Ergebnisse jetzt veröffentlicht wurden. Demnach erzielt nur etwa ein Drittel der Befragten – 157 Führungskräfte von 50 Großunternehmen in 15 Ländern mit einem Jahresumsatz von über einer Milliarde US-Dollar – nach eigenen Angaben wirklich gute Ergebnisse bei der Umsetzung von digitalen Veränderungen. Motiviert zum Einsatz von IT in ihren Geschäftsprozessen werden sie zumeist durch Wettbewerbsdruck und wachsende Kundenanforderungen – externe Impulse also, auf die man irgendwie reagiert, nach dem Motto „Wir müssen da jetzt auch etwas machen“. Wie viel Geschäftspotenzial in der Digitalisierung überhaupt steckt erkennen offenbar viele noch nicht.
Der Begriff der digitalen Transformation im Titel der Studie ist derzeit ein bisschen en vogue, beschreibt aber nichts anderes als den Veränderungsprozess von bestehenden hin zu digitalen Geschäftsmodellen. Angestrebt werden z. B. bessere Prozessabläufe, Kostenersparnisse, die Vernetzung von Einzellösungen etc. durch den Einsatz moderner Technologien. Die Capgemini-/MIT-Studie beschreibt vier Unternehmenstypen und ihren Entwicklungsgrad beim Einsatz digitaler Innovationen:
• Digital Beginners beschränken sich auf Etabliertes wie Internet, E-Mail oder Enterprise Resource Planning (ERP) – teils aufgrund bewusster Entscheidungen, oftmals aber auch mangels Wissen um das Potenzial digitaler Technologien.
• Digital Fashionistas sind generell innovationsfreudig und setzen digitale Tools ein, können daraus aber keinen wirklichen Nutzen ziehen. Da ihnen eine klare Strategie und Vision fehlt haben sie keine Vorstellung davon, wie sie technische Innovationen in den Dienst ihrer Wertschöpfung stellen können.
• Digital Conservatives wissen im Grundsatz, wohin sie sich als Unternehmen entwickeln wollen, können jedoch ihre Organisation als Ganzes nicht mobilisieren sowie Kunden und Partner ausreichend einbinden. Um im Wettbewerb langfristig mithalten zu können sind sie zu vorsichtig.
• Digirati haben den Wert digitaler Veränderungsprozesse erkannt und eine entsprechende Strategie entwickelt. Sie investieren in diese Prozesse, steuern sie und sichern sich aufgrund ihrer digitalen Kultur einen Wettbewerbsvorsprung.
Solche Typologien vereinfachen Sachverhalte zwar etwas, aber sie helfen immerhin dabei, Trends und Entwicklungen schematisch darzustellen. Was fehlt also all diesen Nicht-Digiratis auf ihrem Weg zum erfolgreich digitalisierten Unternehmen? Meistens sind es offensichtlich nicht die Budgets, sondern übergeordnete Strategien. Perfekt realisierte digitale Insellösungen, wie sie häufig auf Initiative einer einzelnen Abteilung innerhalb einer Organisation entstehen, können bestenfalls als so genannter Proof of Concept (Machbarkeitsnachweis) helfen, den Bedarf und die Anforderungen für die übergeordneten IT-Strategien festzustellen.
Damit erfolgreiche IT-Strategien entwickelt und realisiert werden können müssen sich zunächst sowohl das Management als auch die Mitarbeiter die nötigen Kenntnisse aneignen. Immerhin 77 Prozent der in der Studie Befragten gaben an, dass fehlendes Know-how den digitalen Wandel in ihrer Organisation behindere. Etwa die Hälfte bemängelte die „bremsende“ Unternehmenskultur, die kaum Neues zulässt, sowie eine komplexe und ineffiziente IT.
Wer sich als Organisation digital transformieren möchte muss Abläufe digitalisieren, Wertschöpfungsprozesse neu definieren und – auf Basis seiner Kernkompetenzen – IT-basiertes Wachstumspotenzial nutzen. Die technische Ausstattung muss mit einer klaren Zielvorstellung und strategischen Führung durch das Management einhergehen. Wieso also nicht eine Expertise einholen, die die Schwächen einer Organisation aufdeckt und dabei hilft, Stärken zu nutzen? Wenn diese in-house nicht vorhanden ist können Dritte zur Unterstützung ins Boot geholt werden. Man muss kein IT-Unternehmen sein, um mit IT Erfolg zu haben. Aber man sollte wissen, welche Möglichkeiten sie bietet und wohin die Reise gehen soll.
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